Fragezeichen oder „Wir wollen hier nur durch“

Inzwischen ist der 23. Juli. Ich war beim G20 und habe währenddessen viel beobachtet. Mein Bild des G20 ist  komplexer geworden durch die Videos, Artikel und Beiträge, die ich hinterher gelesen und gesehen habe. Was soll also ein weiterer Post dazu?

Da war die Sache mit dem Fragezeichen …und die hat sich noch nicht geklärt. 

Inzwischen gibt es auch zur Sitzblockade auf dem Schulterblatt am 8. Juli abends einige Infos. Recht undifferenziert, so weit gefunden, aber immerhin. Links dazu sind in der Linkliste. Vier Wasserwerfer standen ca. 30-50 Sitzblockierer*innen gegenüber, die gemeinsam mit den Umstehenden skandierten: „Wir sind friedlich, was seid ihr?“. Es passierte, was passieren musste: die Wasserwerfer haben draufgehalten. Der Einsatzleiter verkündete nach ein paar Minuten: „Wir wollen hier nur durch“ (s. Video „Wir wollen…“). Das konnte er dann auch – samt Einsatzeinheiten und Wasserwerfern.

Besonders auf dem Schulterblatt am 8. Juli habe ich mich gefragt, warum die Polizei beim G20 so wenig Augenmaß hatte. Vor ihren Einsatz war alles friedlich. Die Randalierer*innen und schwarzen Blöcke etc. waren schon weg – oder anderswo. Die „Übriggebliebenen“ haben gefeiert. Die Stimmung war locker. Eine Beschreibung des Nachmittags und Abends würde lang und bunt werden. Und da inzwischen differenzierter über die Gewalttäter*innen diskutiert und Polizeigewalt moniert wird, möchte ich auch das Thema nicht weiter vertiefen.

Digital Natives – mit Mut und Entschlossenheit

Nur eines: die Sache mit dem Fragezeichen – dem Schild, das während des Umzugs auftauchte und bei der Sitzblockade hin- und herwanderte. Zum einen war es ein schönes Symbol für die Fragwürdigkeit der G20-„Veranstaltung“. Zum anderen: Es war beeindruckend, wie die große Mehrheit der jungen Menschen trotz Wasserwerfern um Friedlichkeit rang. Hob eine*r einen Stein oder nahm eine Flasche in die Hand, wurde er/sie von den Umstehenden sofort lautstark zurückgerufen. Auch ich versuchte einen jungen Mann davon abzuhalten, einen Stein zu werfen. Mit dem Ergebnis, dass er sich zu mir umdrehte und mir den Gegenstand schenkte: es war ein Schwamm.
Länger stand ich da und bewunderte den Mut und die Entschlossenheit, sich von den Wasserwerfern besprühen zu lassen und nicht komplett auszurasten. Der Einsatz war offensichtlich völlig überdimensioniert. Trotzdem ist kaum jemand weggelaufen. Sie sind da geblieben und haben trotz Wasserbad mit Tränengas weiter Haltung gezeigt. Die Szenerie ließ die Fragen wieder auftauchen, die ich mir schon öfter während der Demos und Blockaden gestellt habe: Wo waren die vielen, die älter sind als die „Digital Natives“? Wo haben sie in den Tagen des G20 Haltung gezeigt? Warum wird dieser Generation fast pauschal unterstellt, dass sie nur hinter ihren Smartphones verschwindet, Party macht und sonst wenig merkt? Warum wird nicht mehr über ihren Mut und ihre Entschlossenheit geredet?