Zur falschen Zeit am falschen Ort? Über einen blauen Luftballon und Tränengas

Der Abend des 7. Juli auf dem Schulterblatt wird momentan heiß diskutiert. Das ist sinnvoll. Hoffentlich lässt sich die Frage nach der Gewalt dadurch zumindest in Ansätzen klären. Mein Schock über die Gewalt auf dem Schulterblatt, war größer, nachdem ich Berichte dazu gelesen und gesehen hatte, als in der Situation selbst.

Hinter einer Glasscheibe, an der Tropfen runterlaufen ist im Schein von Wasserwerfer ein Mensch und ein Fahrrad zu sehen.

Was ist passiert am Schulterblatt? Bürgerkrieg oder Volksfest? Oder schlicht fatales Chaos? Hier sind ein paar kurze Anmerkungen, die zur Diskussion beitragen möchten.

Als die Wasserwerfer endlich anrücken,  war schnell klar, dass wir nicht mehr vom Schulterblatt wegkommen würden. Eine Pizzeria neben dem Schulterblatt ließ uns rein. So haben wir das Schlimmste trocken und fast ohne Angst hinter Glas beobachtet. Den Pizzeriabesitzern bin ich nach wie vor sehr dankbar für die offenen Türen.

Die These des Bürgerkrieges ist für mich fraglich. Aber Volksfest war es auch nicht. Vor meinen Augen spielte sich folgende Szene ab: Im Schein der Wasserwerfer stand ein junger Mann. Er hielt einen blauen Luftballon hoch. Minutenlang zielte ein Wasserwerfer darauf und traf nicht. Der junge Mann ist vor Begeisterung fast gehüpft. Und ich stand da und fragte mich, warum sich ein Wasserwerfer in der Situation die Zeit nimmt, einen Luftballon zu treffen.

Die These, dass frau/man nur höflich zur Polizei sein muss und dann passiert schon nichts, habe ich lange vertreten. Donnerstag Nacht ist sie revidiert worden. Und das kam so: Spät Nachts liefen wir die Verlängerung des Schulterblatts entlang, außerhalb des „Kessels“.  Eine Polizeieinheit rückte näher. Aus den Erfahrungen der „Welcome to Hell“ versuchten wir direkt auszuweichen und stellten uns in einen Hauseingang. Schließlich wollten wir nicht Ärger, sondern Flagge zeigen. Diesmal ging irgendwas schief: Wir wurden raus gezerrt und blitzartig mit Tränengas besprüht. Das Warum bleibt ein Rätsel.