Amazon-Konto löschen, ein Kurzkrimi

Die großen Internetkonzerne interessieren mich. Diesmal geht’s um Amazon. Seit fast 10 Jahren bin ich nun dabei. Es war leicht und sehr komfortabel Kundin zu werden. Ein Klick und schon war ich dabei. Nun ist mal Schluss. Ich habe insgesamt drei Bestellungen bei dem Logistik-Wunderladen getätigt. Eine begeisterte Kundin war ich also nicht. Das hatte einfach damit zu tun, dass es kaum mehr Aufwand ist, unabhängig online zu bestellen  – mit den positiven Nebeneffekten: es ist oft billiger und überschaubarer. Innerhalb nur eines Monats hat mir das Express-Unternehmen meine Daten zukommen lassen. Gut Ding will eben Weile haben.

Die Jagd beginnt

Jetzt wird’s ernst: Auf zur Kontolöschung! Vorab: Am einfachsten ist es, sich an die Anleitung einer Computerzeitschrift zu halten und abzuwarten.
Ich war allerdings neugierig, ob es auch anders geht. Immerhin rühmt sich Amazon der einfachen überschaubaren Userführung.

So intuitiv…

Mal so rein intuitiv ran gegangen – so aus’m Bauch raus: Ich melde mich an* und checke „Mein Konto“.

Das Ergebnis ist enttäuschend – nicht mal ein Link zum Kundenservice. Wie wär`s mit „Mein Amazon“? Leider wieder nichts.

* bei längerer Amazon-Abstinenz oder Inkognito-Browser fordert der Konzern zusätzlich einen Authentifizierungscode. Inklusion ist anders.

Brutforce

Ok, dann Brutforce: Klicken bringt nichts. Tippen ist angesagt. Also „Kundenservice“ in die Suche eingeben. Voila, Amazon bietet mir direkt mehrere Optionen an. Ich gehe also auf „Kundenservice Amazon kontaktieren“. Das Ergebnis ist bunt, aber wenig zielführend.

Ok, dann eben noch mal „Kundenservice“ eintippen und Suche drücken. Es ist so weit. Yes, es gibt das Feld „Hilfe & Kundenservice“ – optisch recht dezent und vergleichsweise schmal. Ein Paket mit einem Pfeil drauf, lässt nicht intuitiv auf Kundenservice schließen, sondern eher auf irgendwas, das mit Transport zu tun hat. Eine prägnantere Grafik wäre schön gewesen.

Die Spannung steigt –  Ernüchterung: wieder kein Kundenservice.
Jetzt bloß nicht aufgeben. Geduld ist die Mutter der Porzellankiste. Tatsächlich: Ich bekomme Hilfethemen angezeigt. Wenn das kein Erfolg ist!

Ich probier es mit „Mein Konto“. Unten links steht endlich „Kontaktieren Sie uns“ bei „Schnelle Lösungen“.

Ich hätte den Button eigentlich direkt bei der Kontoverwaltung erwartet – bezeichnet mit „Kundenservice“, aber frau lernt ja nie aus. Was ist hier eigentlich mit „Schnelle Lösungen“ gemeint? Versteht Amazon was anderes unter schnell als ich? Ich surfe hier schließlich schon einige Zeit rum. Anyway: jetzt bloß nicht abschweifen, über das philosophische Problem der relativen Geschwindigkeiten lässt sich später philosophieren. Zurück zum aktuellen Fokus: Konto löschen.

Neuanmeldung für Kundenservicebereich

Wow, jetzt wird’s spooky. Ich muss mich neu anmelden. Naja, das macht die Sache offizieller.

 

In der Maske ist „Meine Bestellung“ aktiv. Unten steht: „Klicken Sie hier“, wenn es nicht um Bestellungen geht. Wie nett von Amazon, diesen Link anzubieten. Das Ergebnis ist allerdings überraschend.

 

Im Klappmenü (s. transluzentes Menü neben Pfeil) geht es um Bestellungen. Komisch, vielleicht ein Programmierungsfehler? Naja, das kann in den besten Familien vorkommen. Aber was nun? Wo ist der Button „zurück“? Tja, wie gut, dass der Browser einen zur Verfügung stellt.

Jetzt Schließen!

Zurück auf Start und „Prime und Sonstiges“ direkt angeklickt. Kontolöschung ist nicht zu finden. Oh je! Zum Glück haben andere die Sache schon mal probiert (s.o.). Also das empfohlene „Informationen im Kundenkonto aktualisieren“ anklicken. Endlich kommt „Konto schließen“. Nicht etwas löschen, wie ich mir so aus meiner Komfortzone heraus gedacht habe, nein: „Schließen“. Nun noch „über Kontoschließung“ durchlesen, das soll das Löschverfahren beschleunigen.

Wow, das klingt alles schwer dramatisch. Nun eine „antiquierte“ Mail schreiben und 24 Std. warten.
Dann ist es soweit. Mein Konto ist gelöscht.

Amazon fördert Konzentration

Auch in Online-Zeiten lassen sich Abenteuer erleben, klasse! Mein Dank geht an die Computerzeitschriften, die mir bei meiner Jagd nach dem entscheidenden Link zur Kontolöschung geholfen haben. Ohne ihre Unterstützung wäre ich unverrichteter Dinge in der bunten Welt von Amazon hängen geblieben. Da sage noch eine*r, das digitale Zeitalter gefährde die Konzentrationsfähigkeit. Das Gegenteil ist der Fall. Es fördert um die Ecke denken. Ein Blick auf die Uhr zeigt außerdem, dass „schnell“ recht relativ ist. Intuitive Userführung geht zudem anders.
Wäre ich Fan von Verschwörungstheorien, würde ich vermuten, dass Amazon mich an der Kontolöschung hindern wollte. Aber nein, so was würde eine Serviceplattform natürlich nie tun, oder Herr Besos?